VORWORT
ZUR WEBSITE  
Diese private Website enthält vorwiegend Materialien aus meinem Kunstunterricht und dazu ein paar kleine künstlerische Arbeiten.

Im Vordergrund stehen Themen und Aufgabenstellungen für die bildnerische Praxis der Sekundarstufe I und II, teilweise ergänzt durch Arbeitspapiere, Quellentexte und Kommentare.
Die konkrete Form der Unterrichtsvorhaben hat sich zwar aus der jeweiligen Lerngruppensituation mit ihren individuellen Bedingungen entwickelt, aber die Inhalte sind stets um Grundsätzliches der Bildarbeit bemüht.
Im Weiteren stehen Mailart, Haiku und Sho für die vielfältigen Erscheinungen der Kunstwelt. Als Gestaltungsformen mit sehr elementarem Charakter erfahre ich sie persönlich als sehr belebend. Außerdem erweisen sie sich beim Nachdenken über das Bildermachen oft als ergiebige Bezugsfelder. In der Schule können sie methodisch sinnvoll eingebunden werden.

Besonders die Kapitel AUFGABEN und SERVICE (ehemals "Schülerservice"), bewähren sich als Umschlagplatz für kunstpädagogische Anregungen und Materialien, die ich gern für den Unterricht zur Verfügung stelle. - Bei übernommenen Texten ist die Urheberschaft anzugeben.
 
12.09.2015
ZUM KUNSTPÄDAGOGISCHEN SELBSTVERSTÄNDNIS
"Für sich selbst die Möglichkeiten eines Kunstwerkes erschließen und dann sowohl diesen Vorgang als auch das Kunstwerk mit anderen in Beziehung setzen" lautet mein Versuch, den Kern des Lernens mit der Kunst zu formulieren.

In der kurzen Schulzeit ist also die individuelle An-näherung des Lernenden an Kunstwerke helfend zu begleiten und für die Erfahrung und Reflexion des eigenen intuitiven und kreativen Potentials Spielraum zu schaffen.

Die Begriffe "Mit allen Sinnen", "Kreativität", "Intuition" verweisen auf die Besonderheit der künstlerischen Arbeit. Neben den ganzheitlichen Ansätzen ist eine weitere Eigenart bemerkenswert: Im Kunst-Labor des Hinschauens und Sichtbarmachens lässt sich die latente Unterschiedlichkeit zwischen wahrgenommenem und

hergestelltem Bild nicht auflösen. Im Bewusstsein dessen sind gerade in der produktiven und rezeptiven Kunstarbeit Einsichten zu gewinnen, die über die Sprache hinausgreifen. So ist es wohl schlüssig, dass Kunst, die den Blick erweitern kann, auch irritiert, denn sie stiftet neuen Sinn, wenn der Betrachter im künstlerischen Spannungsfeld seinen Standort neu bestimmt oder erfährt.

Angesichts des naturwissenschaftlich begründeten Rationalismus in unserer Gesellschaft hinterfragt Kunst auf ganz eigene Weise die bequemen, angepassten Wahrnehmungmuster, die in der Praxis des Alltags zwar ihren Nutzen haben, aber mit wachsender Routine erstarren. Sowohl um entsprechenden Verkrustungen entgegenzuwirken als auch um innovative Gestaltungsmöglichkeiten zu kultivieren, ist Kunst unbedingt als Lernthema in der Schule notwendig!

Damit im Unterricht die Auseinandersetzung mit der komplexen Kunst individuell und intensiv stattfinden kann, sollte ein bestimmtes Thema vom Lernenden möglichst selbst suchend erschlossen werden. So lassen sich charakteristische Zusammenhänge besser entdecken und "verbindlich" verarbeiten.

Diesem mehrschichtigen Prozess ordnet sich die Vermittlung des handwerklichen Know-how weitgehend unter. Meiner Erfahrung nach erfordert unter diesen Umständen jedes neue Vorhaben erneute und konzentrierte Aufmerksamkeit für seine jeweiligen Verhältnisse von Form und Inhalt. Außerdem bleibt die "persönliche Reibung" bei der Untersuchung und Transformation inhaltlicher Aspekte frisch und macht für Einsichten empfindsamer.

Indem der Mensch das spezifische Potential der Kunst zu erschließen versucht, bildet er sich in einer besonderen ganzheitlichen Weise.          

23.08.2006 Rainer Randig